Gerade bin ich von meiner Reise nach Marokko zurück gekommen. Und ich hatte selten auf Reisen das Gefühl, dass ich mich richtig auf daheim und Wien freue. Das passiert nur, wenn ich mich irgendwo unwohl fühle. Und Marokko hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Seit Jahren wollte ich dorthin reisen, meine Vorfreude war riesig und ich hatte dementsprechend hohe Erwarten. Ständig habe ich auf Instagram und Co. die tollen Bilder gesehen und jeder schwärmt davon. Vielleicht hatte ich daher wildromantische Vorstellungen die kaum übertroffen werden konnten. Vielleicht haben wir uns auch besonders blöd angestellt und waren ziemlich naiv. Wer weiß! Ich habe gute und weniger gute Seiten von Marrakesch gesehen und im nachhinein bin ich froh, nicht nur die inszenierte und touristische Seite von Marrakesch kennen gelernt zu haben. Die ganze Reise war ein Auf und Ab und auf jeden Fall sehr lehrreich und voller Abenteuer. Und am Ende des Tages hab ich jede Menge zu erzählen. Aber beginnen wir von vorne.
Was man in Marrakesch nicht machen sollte
Sich auf Offline Maps verlassen
Angekommen in Marrakesch lief erstmal alles gut. Wir waren total überrascht wie schön und modern der Flughafen ist, fanden ohne Probleme den Bus in die Stadt, die Leute waren nett und der Weg vom Flughafen in die Medina war gepflegt und ganz anders als ich erwartet hatte. Wir stiegen am Place Jemâa el-Fna aus und mit einer Offlinemap ausgerüstet suchten wir unseren Weg zum Riad, das ich für die Tage in Marrakesch gefunden hatte. Vielleicht war das Kartenmaterial veraltet, denn dreiviertel der Straßen die es in Medina gibt, waren in der Karte einfach nicht eingezeichnet. Und so schafften wir es uns sofort zu verirren. Zu Beginn waren wir noch der Meinung in die richtige Richtung zu gehen, wir spazierten durch den Souk, waren von den vielen Mopeds und Menschen überfordert, aber zuversichtlich bald anzukommen. Ständig kam jemand auf uns zu und meinte „This way“ und deutete in irgendeine Richtung. Irgendwann waren wir tatsächlich die einzigen Touristen, die Leute schauten uns immer komischer an und einige waren sogar richtig unfreundlich. Ein kleiner Junge kam auf uns zu und meinte „The road is closed“ und lief von uns davon. Geschlossen? Für uns? Oder für alle?
Schlussendlich wussten wir gar nicht mehr wo wir waren und beschlossen einfach umzudrehen. Zurück am Djemaa el Fna setzten wir uns in ein Café, tranken erstmal eine Cola, sammelten uns und starteten von vorne. Wir machten Screenshots von jeder Ecke auf Google Maps. Mit großen Anhaltspunkten am Weg und größeren Straßen schafften wir es schließlich doch ins Riad und waren mehr als glücklich aber müde endlich einchecken zu können.
Mit der Kamera um den Hals herumlaufen
Neuer Tag, neues Glück. Überzeugt davon, dass es am nächsten Tag bestimmt besser laufen würde, machten wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg. Wieder am Place Jemâa el-Fna um 10:30 am Vormittag waren wir die einzigen Touristen und somit das Hauptinteresse der Schlangebeschwörer, Saftverkäufer und Co . Ich wollte gerade ein Bild vom ausgestorbenen Platz machen, als plötzlich zwei Männer auf mich zu rannten und mich schon von weiten anbrüllten. Bis ich überhaupt verstand was los war, fingen sie schon an auf meiner Kamera herumzuzerren und fuchtelten mit den Händen vor meinem Gesicht herum. Endlich verstand ich. Sie dachten ich hätte sie fotografiert und wollten nun Geld von mir. Ich versuchte ihnen klar zu machen, dass ich 1. gar nicht sie fotografieren wollte und 2. noch nicht mal ein Foto gemacht hatte. Völlig sinnlos, denn sie brüllten einfach weiter. Ich hatte in dem Moment wirklich Angst und so drehten wir uns einfach um und gingen weiter. Sie liefen uns ein paar Schritte hinterher und ein Typ mit Trommeln verfolgte uns tatsächlich über den kompletten Platz. Kleiner Tipp für euch: Lieber versteckte Bilder mit dem Handy machen, anstatt mit der großen Kamera um den Hals durch die Gegend laufen. Davon fühlen sich viele Menschen bedroht.
Freizügige Kleidung tragen
Während ich im Vorfeld Freunde fragte was ich am besten anziehen sollte und mich online darüber schlau machte, was ich am besten einpacken sollte, legte ich großen Wert darauf nicht zu freizügig herumzulaufen. Mit langen Jeans, schulterbedeckenden Oberteilen und Midi-Röcken ausgestattet wollte ich Marrakesch erkunden. Schon bei der Ankunft sah ich Mädchen in Hotpants und Croptops. Ich trug kein Kopftuch, Schultern und Knie waren aber immer bedeckt und auch mein Ausschnitt war durch hochgeschlossene Oberteile verdeckt. Trotzdem fühlte ich mich ständig beobachtet und schon am zweiten Tag passierte es, dass ich plötzlich eine Hand an meinem Hintern spürte, die kräftig zupackte. Das ganze ging so schnell, dass ich gar nicht sagen konnte wer das jetzt war. Natürlich passiert sowas auch in Wien, aber egal wo man ist, man fühlt sich wenig wert und einfach unwohl.
Naiv durch die Stadt spazieren
„Will er uns wirklich den Weg zeigen oder werden wir gleich überfallen“ – der Gedanke war vor allem am ersten Tag ständig in meinem Kopf, ich hatte definitiv einen Kulturschock und war überfordert. Auf der einen Seite wurde uns ständig Hilfe angeboten, andererseits reagierten die Menschen wütend wenn wir dankend ablehnten. Später habe ich von Freunden erfahren, dass solche Situationen teilweise wirklich brenzlig werden können und man von einem „Guide“ zum Riad gebracht werden sollte, am Ende aber gar nicht mehr weiß wo man ist und dann tatsächlich ausgeraubt wird. Diese Erfahrung ist uns zum Glück erspart geblieben. Generell sind wir mit all unseren Sieben Sachen zurück in Wien gelandet.
Außerdem sollten wir für jedes Bild in denen nur ansatzweise jemand eventuell am Foto ist Geld bezahlen. Auf Märkten wird für Touristen ein dreimal höherer Preis veranschlagt. Handeln gehört hier dazu, richtig durchschaubar ist das ganze aber trotzdem nicht. Ich fühlte mich tatsächlich ständig gestresst und war am Ende des Tages immer total müde vom ständig wachsam sein. Vielleicht bin ich auch einfach nicht der Typ für solche Städte?

Was man auf jeden Fall machen muss
Das marokkanische Essen probieren
Für Veganer ist Marokko ziemlich praktisch, denn auf jeder Karte wird man eine Gemüse Tajine, Gemüse mit Couscous und mehr veganes finden. Das Obst und Gemüse kommt direkt von Bauern aus der Region, ist frisch geerntet und einfach lecker. Probiert unbedingt den Minztee, kauft euch Datteln und die esst die Mandarinen, die es hier direkt vom Baum zum Frühstücksbuffet schaffen. Wir haben in Marrakesch wirklich ausgezeichnet gegessen und jede Menge Inspiration für neue Gerichte mitgenommen.
In einem der wunderschönen Riads übernachten
Von Anfang an war klar wo ich in Marrakesch wohnen möchte: ein schönes, authentisches Riad muss es sein! Und so fand ich das Rodamon Riad Marrakesch, ein Hostel, das auch Doppelzimmer hat. Mit Pool, Rooftop-Terasse und dem Mix aus marokanischem und moderem Stil, hab ich mich vom ersten Betreten an wohl gefühlt. Der Willkommens-Tee nach der anstregenden Suche war genau richtig und ich habe mich hier sehr willkommen gefühlt. Die Leute dort waren mehr als nett und mit der Secruity am Eingang habe ich mich auch immer sehr sicher gefühlt.
Minztee mit Blick über die Medina trinken
Minztee war vielleicht eine meiner liebsten Dinge die ich in Marrakesch kennen lernen durfte. Am besten mit Blick über die Stadt in einem der Rooftop-Lokale am Place Jemâa el-Fna oder etwas abseits – ganz egal, hauptsache mit Aussicht! Und während man das Chaos am großen Platz von Marrakesch sieht kann man es sich oben mit einer Tasse Tee mit viel Zucker gut gehen lassen.
Die geheimen Gärten von Marrakesch entdecken
Abgesehen vom bekannten Jardin Majorelle, das durch Yves Saint Laurent in jedem Touristenführer steht, ist auch der Jardin de Secret einfach ein Traum und auf jedem Fall einen Besuch wert! Wenn man mal genug von der Hektik der Medina hat, ist das der perfekte Rückzugsort um mal durchzatmen und zu entspannen. Und so verbrachten wir den Großteil dieser Reise in Rooftop-Restaurants oder schlenderten gemütlich durch die schönen Gärten und tranken dort jede Menge Minztee.
Die wunderschönen handgemachten Stücke Marokkos mitnehmen
Die Fliesenmuster in unserem Riad haben es mir richtig angetan und irgendwann will ich ein Badezimmer mit zumindest einer Wand mit diesem Muster. Aber auch andere typisch marokkanische Dinge wie die Bastteppiche, die Taschen, die Teekannen, Lampen und mehr sind einfach wunderschön und ich hätte so viel mitnehmen können, dass ich mindest noch zwei weitere Koffer gebraucht hätte. Auch wenn für Touristen prinzipiell bis zu drei Mal höhere Preise veranschlagt werden, habe ich mich einfach in den marokkanischen Stil verliebt.

Marrakesch war ein Auf und Ab
Prinzipiell verlief jeder Tag wie folgt: wir waren top-motiviert, mussten einmal durch den Souk und waren danach komplett erledigt. Dann machten wir eine Pause, sammelten unsere Kräfte und das Spiel ging von vorne los. Auch wenn ich viele Sachen in dieser Kultur nicht verstehe, habe ich auch schöne Seiten kennen gelernt. Was mich aber am meisten gestört hat, war die Tatsache als Frau nicht beachtet zu werden. Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass der Mann quasi die Rolle des „Außenministers“ hat und die Familie nach außen präsentiert, während die Frau die „Innenmisterin“ ist und innerhalb der Familie die Hosen anhat. Aber einige Situationen haben mich einfach total irritiert. Zum Beispiel,
- … wenn jemand auf uns zukam um zu plaudern, wurde immer nur mein Freund angesprochen. Wenn ich mich in die Unterhaltung einbringen wollte, wurde ich eiskalt ignoriert. Bei der Verabschiedung wurde ich auch übergangen.
- … dass ich ständig angestarrt wurde, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn ich dort dann auch noch mit meinem Freund sprach, fingen sofort alle an zu tuscheln. Und nein, ich hatte keine freizügige Kleidung an. Und nein, wir haben uns dann nicht mal geküsst oder anders wie berührt.
- … oder der Kellner wieder davon ausging, dass mein Freund alles bezahlt und auch für mich bestellt.
Natürlich muss man ab und zu aus seiner Komfort-Zone hinaus um zu wachsen und sich ein Bild von der Welt machen zu können. Trotzdem habe ich mich in Marokko zeitweise überhaupt nicht willkommen gefühlt. Ich kam mit der Vorstellung hin, dass man Touristen gewohnt sei und ein bisschen toleranter und weltoffener sei. Leider war das meiner Erfahrung nach gar nicht so. Was mir allerdings auffiel: Je länger wir in Marrakesch waren, desto weniger oft wurden wir angesprochen oder hatten das Gefühl jemand würde uns abziehen wollen. Klar, als Tourist mit Koffern hörte man uns schon von weitem und an unserem ersten Tag waren wir komplett überfordert, schauten ständig verwirrt auf das Handy und suchten verzweifelt nach Straßenschildern. Je besser man sich auskennt, auch wenn das oft nur Schein war, desto selbstsicherer wirkt man auf andere. Trotzdem bin ich sehr froh diese Erfahrung gemacht zu haben, denn wie schon zu Beginn beschrieben: es war ein Abenteuer!